Reisetagebuch E.H.

Lasörling - Höhenweg

29.06. - 05.07.2004

Kompakt

In diesem Jahr starten wir, Micha und ich, zu unserer 5. Alpen- Wanderwoche.
Wir machen aus der Not eine Tugend, denn wegen Terminproblemen sind wir diesmal vom 29.06. bis 05.07.2004 statt des gewohnten September-Termins unterwegs.
Ziel unserer Tour ist der Lasörling-Höhenweg im Nationalpark Hohe Tauern Osttirol/Östereich. Am Anreisetag steigen wir zur Zunigalm auf. Die weiteren Tagesziele sind Zupalsee-Hütte, Lasörling-Hütte, Bergersee-Hütte und Neue Reuchenberger-Hütte. Den direkten Weg zur Clara-Hütte können wir wegen des Altschnees nicht fortsetzen. So steigen wir ab und schauen an den Umbal-Fällen vorbeie ehe wir den Touristenort Hinterbichl erreichen.

1. Tag: Anreise nach Matrei und Aufstieg zur Zunigalm

Die Autoanreise von Göppingen erfolgt unkompliziert über München, Kitzbühl und Felbertauern-Tunnel, so dass wir gegen 14:00 Uhr Matrei in Osttirol erreichen.
Ein erster Schreck erfahren wir im Touristenbüro als uns gesagt wird, dass noch viele Übergänge auf dem Höhenweg wegen der Schneemassen gesperrt sind. Wir beratschlagen, ob wir eventuell nach Südtirol weiterreisen und entscheiden uns schließlich doch für den Lasörling-Höhenweg. Eine gute Entscheidung, wie wir in den nächsten Tagen oft feststellen werden.
Ein Taxi, das uns zum letzten Parkplatz in 1150m Höhe bringt, verschafft uns Start-Erleichterung. Dann beginnt der Aufstieg im Fichten- und Lärchenwald. Die 700 Höhenmeter vergehen schnell, denn immer wieder bieten sich reizvolle Blicke auf Matrei und die gegenüberliegenden Berge.
Am späten Nachmittag erreichen wir die Zunigalm, wo wir liebevoll von der Hüttenwirtin, Frau Rainer empfangen werden. Wir sind die einzigen Schlafgäste im Haus und so können wir den ersten Abend unserer Wanderwoche in einer wunderschönen Atmosphäre genießen. Noch vom Balkon unseres Bettenlagers haben wir einen imposanten Blick auf das nächtliche Virgental und die Berge der Venediger- und Großglockner-Gruppe.

2. Tag: Zunigalm – Zupalsee-Hütte

Nach einem üppigen Hüttenfrühstück starten wir bei schönem Wetter von der Zunigalm in Richtung Zunigsee. Den Umweg von ca. 200 Höhenmetern bereuen wir nicht, denn vom Zunigsee haben wir einen noch besseren Blick auf das Tal und die Berge. Am Vormittag geht es dann durch lockeren Wald und Almwiesen. Dabei bietet sich uns ein traumhafter Blick zum Großglockner, der völlig frei liegt. Die Brotzeit nehmen wir bei schönstem Sonnenwetter auf der Arnitzalm ein. Hier finden sich in der Hochsaison sicherlich viele Tagestouristen ein.
Am Nachmittag geht es zunächst ein Stück ins Tal, doch dann folgt ein traumhafter Panoramaweg, der uns am Lackensee vorbeiführt. Ein lang eingeschnittenes Tal müssen wir umwandern bis wir uns auf der anderen Seite der Wetterkreuzhütte nähern. Von dort geht es dann ohne wesentliche Höhenunterschiede zur Zupalsee-Hütte, die wir gegen 18:00 Uhr erreichen.
Die Hütte ist komfortabel, wir können uns ordentlich pflegen und genießen mit den anderen 6 Hüttengästen den Abend auf der Hütte..

3. Tag: Zupalsee-Hütte - Lasörling-Hütte

Heute ist fast Ruhetag, denn in einer Vormittags-Wanderung geht es hinüber zur Lasörling-Hütte, die auf der gleichen Höhe liegt. Die Merschenhöhe trennt die beiden Talkessel, in denen die Hütten stehen. Wir haben zunächst noch schönes Wetter, doch gegen Mittag ziehen dunkle Regenwolken heran. Wir erreichen die Lasörling-Hütte noch vor dem Regen, der dann für den Rest des Tages in den Bergen fest hängt.
Die Lasörling-Hütte ist recht groß und wie alle anderen Hütten der Tour pudelwarm. (Ausnahme: Zunigalm) Der Wirt klärt uns auf: Die hauseigene Wasserturbine sorgt für ausreichend Energie.
Wir haben auch heute wieder genügend Platz, nur 6 Gäste sind wir zum Abendmenü.
Am Nachmittag wandere ich in Regen und Wolken noch ca. 300 Höhenmeter in Richtung Bergersee-Überstieg. Über Nacht kann die Bekleidung im warmen Trockenraum wieder trocknen..

4. Tag: Lasörling-Hütte – Bergersee-Hütte

Die Info aus dem Touristenbüro in Matrei bestätigt sich: Ein Weitergehen auf dem Höhenweg in Richtung Bergersee-Hütte über die Scharte zwischen Lasörling und Schober (2800m) ist noch nicht möglich. Wir müssen also den Umweg über die Bergeralm wählen.
Dichte Wolken und Regen wechseln sich am Morgen ab. Wir bereiten uns auf einen Regen-Wandertag vor.
Zunächst geht es bis zur Raineralm (1800m) hinab. Beim Queren einer Kuhweide verfolgen uns 3 junge Kühe, die wahrscheinlich von unseren roten Rucksack, bzw. Rucksackhülle gereizt wurden. Nach diesem Intermezzo geht es weiter im Regen auf und ab über schöne Blumen- und Waldwege zur Bergeralm. Dort sind wir die ersten Gäste der Saison. Die Wirtin, die erst am Vortag hoch kam, serviert uns wohlschmeckenden Kaiserschmarrn.
Nachmittags geht’s im Regen weiter durch traumhafte Blumenwiesen und Lärchenwälder hinauf zum Wetterkreuz. Kurz vor unserem Tagesziel treffen wir die einzigen Wanderer des Tages (natürlich Dresdner!). Sie warnen uns vor dem Queren eines Schneefeldes, das von unserer Seite harmlos aussieht, jedoch vom Wasser schon weit ausgespült ist.
Bald erreichen wir die Bergersee-Hütte, auf der sich bereits eine holländische Wandergruppe trocknet. Der Abend wird gemütlich, wir pflegen uns, trocknen Schuhe und Hose und essen gut. Ein Lob der jungen Wirtin aus Köln!
Gegen 20:00 reißt für ca. 10min der Wolkenhimmel auf und gibt uns noch Motive zum Fotografieren. Danach können wir uns wieder dem Hüttenleben widmen..

5. Tag: Bergersee-Hütte – Neue Reichenberger Hütte

Heute steht die „Königsetappe“ an: Nach Auskunft der Hüttenwirtin  ist die Wanderung zur Neuen Reichenberger Hütte auf dem Höhenweg möglich.
Wir haben hier oben schönes Wetter, aber über dem Tal liegt den ganzen Tag eine dichte Wolkendecke.
Zunächst wandern wir um den Muhskopf auf dem Muhs-Panoramaweg, der seinen Namen alle Ehre macht. Wir sind die ersten Wanderer des Tages und so können wir in Ruhe einen Steinadler beobachten.
Hinter dem Muhskopf zieht sich der Weg weit in einen Kessel hinein. Wir steigen dabei kontinuierlich von 2500m auf 2000m ab. Auf dieser Höhe queren wir das Tal über eine feste Schneebrücke, brauchen also nicht bis zur Lasnitzenalm absteigen. Nun folgt ein heftiger Anstieg zur Michltalscharte (2650m). Im oberen Teil geht es über Schneefelder, die aber gut begehbar sind.
Es folgt der Abstieg in den Kessel des Kleinbachbodens (2450m) und dann nochmals ein Aufstieg zur Roten Lenke (2794m). Nun sehen wir schon die Neue Reichenberger Hütte hinter dem Bödensee. Der Abstieg ist unkompliziert und bald sitzen wir in der fast überheizten Hütte. Wir sind wieder mit der holländischen Wandergruppe die einzigen Gäste im Haus.
Der Wirt bekommt am Abend die Information, dass der Übergang zur Clara-Hütte weiterhin gesperrt bleibt. Wir müssen also morgen auf direkten Weg ins Tal absteigen. Die Holländer, die von der Clara-Hütte zum Gletscher wollen, müssen erst ins Tal und dann wieder hinauf zur Hütte..

6. Tag: Neue Reichenberger Hütte - Hinterbichl

Beim Frühstück schauen wir aus dem warmen Gastraum hinaus in die recht winterliche Umgebung des 4. Juli. Dabei beobachten wir die Murmeltiere, die bis ans Haus kommen und die Bergfinken, die beim Fliegen ein blinkendes Bild abgeben. Wir wollen am Vormittag noch in der Umgebung der Hütte wandern. Doch wir müssen auch diesen Plan bald aufgeben, denn vom Westen ziehen immer neue Wolken in die Hochebene, teilweise beträgt die Sicht nur 20m.
So verlassen wir das Gebiet der Bachlenke und steigen in das Großbachtal ab. Nach dem ersten Steilabstieg bleibt der Weg bis zur Großbachalm über mehrere Kilometer in einer Höhe von ca. 2200m. Bis zur Sturmitzeralm folgen wunderschöne Blumenwiesen. Danach bricht der Weg steil ab. Ein Highlight im Abstieg ist der Abstecher zum gewaltigen Kleinbach-Wasserfall, der zu unserer Jahreszeit enorm Wasser führt. Schließlich stehen wir vor der Pebellalm, einer großzügig geführten Ausflugsgaststätte neben der Isel (1510m). Wir legen jedoch nur unsere Rucksäcke ab, um das Naturschauspiel der Umbalfälle zu bewundern. Hierzu laufen wir auf dem Wasserschaupfad bis vor die oberen Isel-Katarakte. Von dem tobenden Gletscherwasser und dem Großbachfall sind wir stark beeindruckt.
Danach ist es an der Zeit auf der Pebellalm auf die gelungenen Wanderwoche anzustoßen. Anschließend wandern wir nach Hinterbichl, einem Ortsteil von Prägnaten, der letzten Gemeinde im Iseltal. Das Abendmenü im Gasthof Islitzer krönt gastronomisch unsere Wanderwoche..

7. Tag: Heimfahrt

Mit dem Bus fahren wir am Morgen nach Matrei zu Micha’s Auto zurück. Wir schauen uns nochmals im Ort um. So ist das Nationalpark-Haus jedem Touristen, der sich für die sensible Alpen-Natur interessiert, zu empfehlen.
Dann steigen wir endgültig in das Auto. Im Gegensatz zur direkten Hinfahrt fahren wir dieses Mal über das benachbarte Defreggental zum Staller-Pass hinauf. In Antholz/Südtirol machen wir Mittagsrast und am Nachmittag geht es über den Brenner und den Fernpass wieder zurück in den Allgäu und schließlich nach Göppingen.
Eine wunderschöne Wanderwoche geht zu Ende.

pfeil li