Reisetagebuch E.H.

Tageransteppe

Kompakt

Nach der Ankunft in Irkutsk fahren wir noch am selben Tag mit zwei Fahrzeugen an die Südwestküste des Baikalsees. An den folgenden Tagen erkunden wir per Fahrzeug und Kurzwanderung interessante Orte der Tageran-Steppe.  Zweimal übernachten wir in festen Unterkünften, zweimal in unseren Zelten, die wir an schönen Buchten des Baikals aufbauen.

1. Tag: Ankunft in Irkutsk und Fahrt zum Baikalsee

Bei unserer Ankunft in Irkutsk nach dem Nachtflug von Moskau regnet es in Strömen. Andrej, Chef von Baikal-Trekking und unser Partner in Irkutsk, bringt uns in die verregnete Innenstadt, die uns bei diesem Wetter ziemlich trostlos erscheint.
Nach dem Mittagessen hat es aufgehört zu regnen. Mit zwei Offroad-Fahrzeugen verlässt unserer Mannschaft – 15 Deutsche und drei Sibirier (Andrej, Pascha unser Guide während der gesamten Tour und schließlich Andrejs Sohn Wanja)  - die Stadt in Richtung Baikal. Am späten Nachmittag nähern wir uns der Westküste südlich der Tageran-Steppe. Nach dem Abendessen in einem Rasthaus steuern wir über Feld- und Waldwege einen kleinen Berg unmittelbar über der Küste an. Von dort wandern wir über üppige Blumenwiesen. Die Fahrzeuge bringen uns dann zu unserer ersten Unterkunft. Wir schlafen heute noch nicht in den Zelten, sondern vielmehr in Holzhütten, die neben einer Pferdekoppel stehen. Manche von uns baden zum ersten Mal in dem wenige hundert Meter entferntem See. Am nächsten Morgen sind meine Füße von den Mücken ziemlich zerstochen. Später wurde ich übrigens kaum noch von den Insekten belästigt.

2. Tag: Fahrt zum Berg Sachuerte und zur Aja-Bucht

Heute ist ein wunderschöner Tag. Es is kaum zu glauben, dass es gestern in Irkutsk so goss. Wir fahren nordwärts. Gegen Mittag besteigen wir einen Berg oberhalb der Einmündung des kleinen Flüsschen Anga. Wir erfahren, dass diese Gegend eine große mythologische Bedeutung für die Burjaten besitzt, die hier schon seit vielen Jahrhunderten siedeln. Wir fahren dann einige Kilometer den Fluss hinauf bis zu dem Berg Sachuerte. Nach der Mittagspause und dem Bad im Fluss steigen wir auf den Berg und bestaunen Felszeichnungen, die mehrere Tausend Jahre alt sind.
Am späten Nachmittag bringen uns die Fahrzeuge zum Tagesziel auf einer wunderschönen Wiese 100m oberhalb der Aja-Bucht. Hier schlagen wir erstmals unsere Zelte auf, steigen zur Bucht hinunter und baden im 12°C kaltem Baikalwasser. Am abendlichen Feuer stimmen wir uns auf die folgenden Wandertage ein.

3. Tag: Fahrt durch den Norden der Tageran-Steppe und zur Insel Olchon

Mit Bus und Jeep durchqueren wir einen großen Teil der Tageran-Steppe, die jetzt immer bergiger wird. Noch vor dem Mittag besteigen wir den Tan-Chan, den höchsten Berg der Steppe. Von hier haben wir einen guten Überblick über die Steilküste, die nicht weit entfernte Insel Olchon und natürlich die Steppe. Nach der Mittagspause wandert unsere Gruppe dann ca. 5km bis zum Dorf Sachurta, wo uns die Fähre auf die Insel Olchon bringen soll. Unsere Fahrer waren direkt hingefahren, um sich in die lange Autoschlange einzuordnen, die auf die Insel fahren will. Dieses Manöver half nicht entscheidend: 6 Stunden !!! müssen wir noch an der Fährstelle warten. Erst am Abend stehen wir schließlich auf Olchon. Wir haben erst ein Fahrzeug auf der „Sonneninsel“. Am späten Abend haben wir dann aber die Zelte in einer schönen Bucht an der Südostküste aufgebaut. Mit uns übernachten noch einige Fischer hier unten, direkt am Wasser.

4. Tag: Wanderung im Südwesten von Olchon und Fahrt nach Chushir

Pascha war irgendwann auch noch mit dem Jeep auf die Insel gekommen. Als wir aus den Zelten kriechen, kocht er bereits Tee und den obligatorischen Kascha (Milchreis, oder ähnliches). Die Fischer bringen uns noch frischen Fisch, der zum Teil roh gegessen wird, später serviert uns Pascha noch eine leckere Fischsuppe. Unter Andrej’s Führung unternehmen wir am Vormittag eine zweistündige Wanderung zur nächsten Bucht. Zunächst geht es 150m steil hinauf auf das Plateau, dann über einen 50m hoch gelegenen Pfad wieder zu unserer Bucht zurück. Die versprochenen Baikal-Robben kann ich zumindest nicht auf dem See erkennen. Danach müssen wir uns beim Abtransport von Rucksäcken und Zelten beeilen, denn es beginnt zu regnen.
Auf der anschließenden Fahrt zum Dorf Chushir stört uns der immer stärker werdende Regen zunächst noch nicht. Doch am Nachmittag stehen wir im strömenden Regen am Kap Burchan und können die Schönheit des Schamanenfelsen nur erahnen. Die unbefestigten Straßen im Dorf gleichen Wasserflächen. Zum Glück haben wir ein trockenes Quartier. Allerdings steht uns die versprochene Banja nicht zur Verfügung.
Am späten Nachmittag klart der Himmel wieder auf und so sehen wir in der Abendsonne noch die Postkarten-Ansicht des Baikals.

5. Tag: Fahrt von Chushir nach Buguldejka, dem Startpunkt der Wanderung

Andrej und Pascha waren bereits am Vortag mit den Fahrzeugen zur Fährstelle zurückgefahren, um über Nacht auf das Festland zu gelangen. Wir fahren am Morgen mit zwei Ex-Militär-Kleinbussen ebenfalls zurück. Zu Fuß geht es auf die Fähre und so können wir schon am frühen Vormittag unsere Guides auf dem Festland begrüßen. Nun geht die Fahrt Richtung Süden. Heute am Sonntag erleben wir erstmals dichten Autoverkehr vom Baikal in Richtung Irkutsk. Das Mittagessen nehmen wir wieder in dem Rasthaus ein, das wir am ersten Abend hier kennen lernten. Nach der Rast ist es dann nicht mehr weit bis nach Buguldejka, dem Startpunkt unserer 6-Tage-Wanderung.

pfeil-li   pfeil-re