Reisetagebuch E.H.

>Listwjanka, Transsib und Tunka-Tal

Kompakt

m letzten Drittel unserer Reise besuchen wir das Tunka-Tal südwestlich vom Baikalsee (siehe Geografie Baikal).
 Zuvor schauen wir uns einem Tag in Listwjanka, dem Ort am Angara-Abfluss um. Dort gibt es im Baikal-Museum viel Wissenswertes über Entstehung des Baikals und insbesondere seine Tierwelt zu erfahren.
Den ersten Teil der Fahrt zum Tunka-Tal bewältigen wir mit der Tanssibirischen Eisenbahn. Wir fahren auf der historischen Baikalstrecke von Port Baikal nach Kultuk, wo wir wieder von Bus und Jeep übernommen werden.
In dem kleinen Dorf Schimki bleiben wir 3 Nächte in den Häusern von zwei burjatischen Gastgeber-Familien. Tagsüber unternehmen wir eine Trekkingtour zu einem 3000er im Sajangebirge nahe der mongolischen Grenze, sowie den Besuch des Heilbades Arschan. Am letzten Abend bieten uns unsere burjatischen Freunde eine kulturvolle Abschiedsfeier.
Die sich am nächsten Tag anschließende Trekkingtour in ein Hochgebirgstal nahe Arschan müssen wir nach einem Tag abbrechen. Der intensive Regen zwingt uns dazu. So bleiben wir noch einen Tag in Arschan und fahren dann nach Irkutsk zurück. Hier führt uns unsere sibirische Gastgeberin Tamara noch einmal durch die schöne historische Innenstadt, bevor wir uns zum Abschiedsessen zusammensetzen.
Am nächsten Morgen startet unser Flieger Richtung Berlin via Moskau.

11. Tag: Listwjanka

In Listwjanka haben wir ein solides Quartier bei Nikolai, der uns auch vorbildlich versorgt. Gestern Abend servierte er uns ein tolles Menü, in dessen Mittelpunkt wieder einmal der Omul stand. Auch das Frühstück war heute vorbildlich.
Am Vormittag schauen wir uns in dem ehemaligen Fischerdorf, das jetzt als gut erreichbarer Touristenort stark frequentiert wird, um. Der Kontrast zwischen den alten Holzhäusern und den protzigen Bauten der Neureichen fällt besonders ins Auge.
Bis zum Baikalmuseum müssen wir ca. 5km laufen, das ist an der Uferstraße mit viel Autoverkehr nicht wirklich schön. Dafür entschädigt die vorbildliche Präsentation im Haus, wo man alles über Geologie und Biologie dieses einmaligen Sees erfahren kann. Schließlich kann man im Aquarium nicht nur die einheimischen Fische sonder auch die Baikal-Robbe bewundern
Später stehen wir am 2km breiten Angara-Abfluss und schauen zu dem Schamanenstein, der sich in der Mitte des Flusses befindet.
Nach einer kleinen Rundwanderung geht es dann wieder heimwärts. Dabei werden wir vom Regen überrascht. Nach 6 Schönwettertagen während unserer Wanderung ist nun erst einmal Regen angesagt.

12. Tag: Fahrt mit der Transsib-Baikalbahn

Heute verlassen wir den Baikal-See. Das Ziel der letzten Woche ist das Tunka-Tal.
Zunächst wandern wir zur 4km entfernten Fährstelle in Listwjanka. Die großen Rucksäcke brauchen wir nicht mitnehmen. Unser Fahrzeugdienst wird sie abholen. Den ersten Abschnitt wollen wir mit der Eisenbahn bewältigen.
An der Fährstelle in Listwjanka erwartet uns Tamara, die Chefin von Baikal-Trekking. Sie wird uns auf der Fahrt begleiten. Zunächst bringt uns das Fährschiff nach Port Baikal. Von hier fährt der Zug über Kultuk auf der alten Baikal-Strecke der Transsibirischen Eisenbahn, die heute nur noch für touristische Fahrten genutzt wird. Die Fahrt im Zug ist für die Mitfahrenden ein einziges Fest: Essen, Trinken, Halt an technisch interessanten Punkten der Strecke, Weiterfahrt, Ausstieg zum Baden, usw.
Tamara hat auch einen großen Korb mit Verpflegung mitgebracht. Es ist eben Sonntag, nur das Wetter spielt nicht mit, es regnet…
In Kultuk steigen wir aus und werden wieder von unseren Guides empfangen. Neben Pascha ist nun noch Schenja, ein liebenswerter, burjatischer Mensch, bei uns. Mit Bus und Jeep verlassen wir den Baikal. Die Fahrt geht über eine Gebirgsschwelle hinüber in das Tunka-Tal. In dem breiten Tal des Irkut fahren wir dann noch ca. 100km, bis wir am Abend unser Ziel im Dorf Schimki erreichen.
Nun folgt der spannende Moment: Wir stellen dieses Mal nicht unsere Zelte auf, sondern werden auf zwei burjatische Familen verteilt. Ich komme mit in die 6-Mann-Außenstelle im Haus einer burjatischen Lehrerin und Bäuerin, die uns mit ihren Kindern schon zum Abendessen erwartet.

13. Tag: Besteigung eines 3000er nahe der mongolischen Grenze (+1350 Höhenmeter)

Der Bauernhof unserer burjatischen Gastgeber besteht aus einem einfachen Wohnhaus, in dessen Mitte ein großer Steinofen steht. Die Räume sind nur durch 2m hohe leichte Wände bzw. Vorhänge getrennt. Daneben gibt es ein zweites Gebäude, hier befinden sich Banja, ein bewohnbarer Sommerraum und Teile des Stalles. Die Gebäude sind mit überdachten Holzbohlen verbunden. Die typisch russische Toilette steht weit außerhalb bei den Ställen. Alle Gebäude sind aus Holzbohlen zusammengefügt, die im Inneren des Wohnhauses sind glatt bearbeitet. Wir 6 Gäste bewohnen das Haupthaus, die Familie schläft im Nebengebäude. Im Haus ist alles blitzsauber, die wesentlichen Sachen eines westlichen Haushaltes (Satelliten-TV, Kühlschrank, PC) sind auch hier vorhanden.
Wie am Vorabend ist auch der Frühstückstisch reichlich gedeckt. Alle Milchprodukte (Quark, Sahne, Butter) stammen aus eigener Produktion. Neben warmen Speisen gibt es auch Heidel- und Preiselbeeren. Der Tee mit viel Milch ist mir sehr gewöhnungsbedürftig, ich trinke lieber Krauses Kaffee…
Wir fahren am Vormittag nach Mondy, an dem westlichen oberen Ende des Tunka-Tals in 1200m Höhe. Vo hier, 8km von der mongolischen Grenze, bringt uns ein ehemaliger Militär-LKW über wilde Wiesen- und Waldwege bis zu einer Alm in 1600m Höhe. Nun beginnt die Bergwanderung zum unbekannten 3000er. Der Weg, zunächst im Wald dann im Geröll, ist sehr steil und lässt sich schlecht laufen. Es ist kein Vergleich zu einer Alpenwanderung in ähnlicher Höhe. Unterwegs kommen wir an einer schönen Blumenwiese vorbei, hier steht z. B. weißer Enzian.
Nach 4 ½ Stunden stehen wir dann auf der flachen Kuppe des Gipfels und schauen zum Munku Sardyk, mit 3495m der höchste Berg des Sadan, und zu dem in der Mongolei liegenden Chubsugul-See hinüber. 3 Stunden brauchen wir auch für den 1350m-Abstieg, bevor die Rückfahrt mit LKW und unseren Fahrzeugen wieder erfolgt.

14. Tag: Fahrt nach Arschan

Wir fahren heute am Vormittag in das ca. 70km entfernte Arschan. Der Ort liegt im östlichen Tunka-Tal am Fuße des Sajan-Gebirges in ca. 800m Höhe.
Der Ort ist ein Heilbad sowjetischer Prägung. Die Kuranlagen zeigen fast überall hohen Renovierungsbedarf. Im Kontrast hierzu stehen die kleinen burjatischen Holzhäuser und eine neu gebaute Verkaufs- und Gaststätteneinrichtung, die von ausländischen Asiaten betrieben wird.
Wir besuchen zunächst eine kleine buddistische Tempelanlage, von denen in der letzten Zeit viele in Burjatien wiedererstanden sind.
Am Nachmittag steigen wir in den oberhalb von Arschan beginnenden Canyon des Flusses Kyngarga ein. Viele Touristen, fast ausschließlich Russen, sind mit uns unterwegs.
Nach der Rückfahrt gestalten unsere burjatischen Gastgeber ein niveauvolles Kulturprogramm für unsere Gruppe. Beim anschließenden Abschiedsessen stimmen wir nach dem Gesang der Burjaten auch unsere Lieder an…

15. und 16. Tag: Trekkingtour im Gebiet des Flusses Suk Chandagai (+1000 Höhenmeter)

An den letzten drei Tagen wollen wir noch zu einer anspruchsvollen Gebirgstour im Sajan starten. Doch sie steht unter keinen guten Stern. Schon bei der Verabschiedung von unseren Gastgebern in Schimki beginnt es zu regnen, und der Regen hört an diesem Tage kaum auf.
Dennoch fahren wir in der Mittagszeit von Arschan zu dem Startpunkt der Tour am Waldrand ca. 20km westlich von Arschan. Andrej und Pascha fahren die Fahrzeuge zurück, wir starten unter Schenjas Führung den Trekk. Später kommt auch wieder Pascha dazu. Er hat jetzt ein Jagdgewehr geschultert, man weiß ja nicht…
Je höher wir steigen, umso komplizierter wird der Pfad durch den Urwald. Oberhalb 1000m müssen z. T. große Steinfelder überquert werden.
Am späten Nachmittag haben wir unser Tagesziel eine Hochebene in 1650m Höhe noch immer nicht erreicht. Wir schlagen daher unsere Zelte in 1500m Höhe an einer komplizierten Stelle auf: Das Gelände ist stark fallend, am Boden nur Kriechwacholder und Steine und dazu Regen…
Während die Wanderteilnehmer die Zelte recht und schlecht aufbauen, kümmern sich Pascha und Schenja um Feuer, Wasser und Zubereitung des Essens. Ich bin zunächst froh, dass all meine Utensilien einschließlich Fototechnik trocken geblieben sind.
Bald können wir unter einer Folie stehend den heißen Eintopf löffeln und später auch noch etwas Wodka trinken… Manche sind übrigens gleich in den Zelten geblieben.
Die Nacht war furchtbar. Ich rutschte immer wieder auf der Matte nach unten und schob bald das Innenzelt einschließlich Schafsack-Fußende in den Regen. Ich hatte vergessen, schwere Steine vor das Zelt zu schieben.
Nach dem Frühstück hört es auf zu regnen. Nun beginnt die Diskussion Fortsetzung oder Abbruch des Trekks. Die pitschnassen Stiefel und der allgemeine Zustand unserer jüngsten Teilnehmerin geben schließlich den Ausschlag für den Abbruch. Manchen aus der Gruppe fällt es schwer, diesen Entschluss mit zu tragen. Wir steigen also am Vormittag auf dem Weg des Vortages wieder ab und haben in der Mittagszeit den Waldrand erreicht. Inzwischen scheint sogar die Sonne. An zwei Feuern trocknen wir nach dem Mittagessen ein Großteil der nass gewordenen Kleidung und Schlafsäcke. Pascha schlägt sich inzwischen zu Fuß und per Anhalter nach Arschan durch. Hier mietet er Bungalows auf einem Privatgrundstück an. In zwei Fahrten wird schließlich die Mannschaft zu diesem Quartier gebracht. Die am Morgen gefällte Entscheidung des Abbruches wird uns am Abend als richtig bestätigt: Über die Berge ziehen neue schwere Regenwolken heran

17. und 18. Tag: Wieder in Arschan und Rückfahrt nach Irkutsk

In der Nacht hat es viel geregnet und auch jetzt am Vormittag ist der Himmel grau in grau. Wir müssen nun endgültig den Plan aufgeben, noch einmal in die Berge zu steigen. Wir schauen uns vielmehr noch einmal in Arschan um, steigen mit den Füßen in heißes Thermalwasser und manche besichtigen ein privates Volkskunst-Museum.
Am Nachmittag wird die Banja, die auch auf unserem Privatgelände nicht fehlen darf, angeheizt. Die Mehrheit der Gruppe lässt sich noch einmal von Pascha und Schenja peitschen und massieren.
Am Abend sitzen wir zum letzten Mal am Lagerfeuer. Die Russen aus den Nachbar-Bungalows setzen sich hinzu, als die ersten Lieder angestimmt werden…
Am Morgen werrden die Rucksäcke gepackt und zum Jeep gebracht. Um 9:00 Uhr startet der Bus, der zuvor aus Irkutsk gekommen war. Wir fahren noch einmal zum Baikal, rasten oberhalb von Kultuk und fahren auf der stark frequentierten Fernverkehrstraße nach Irkutsk. In der Mittagszeit können wir im soliden Hotel Angara, mit Blick auf die mächtige Angara einchecken.
Am Nachmittag streife ich alleine durch die Innenstadt und wundere mich, dass diese im Gegensatz zur Ankunft jetzt im Sonnenscheinso viele schöne Ecken hat und viel jugendlichen Charme ausstrahlt.
Am Abend führt uns Tamara noch einmal über die historisch wichtigen Plätze der Stadt, erzählt viel über Kirchen, Gebäude und die reichen alten Kaufleute. Es ist viel Stolz unter den Sibiriern.
Zu später Stunde setzen wir uns noch zu einem Abschiedsessen in einem Restaurant zusammen. Hier können wir uns noch einmal bei unseren Gastgebern, insbesondere bei Pascha und Schenja, bedanken.
Am nächsten Morgen werden wir um 6:00 Uhr vom Hotel abgeholt. Wir verabschieden uns am Flugplatz von Tamara und starten nach Moskau. Dort, wie bei der Einreise nochmals ewig lange Personenkontrolle, dann schließlich der Flug nach Berlin. Wunderbare Bilder von Sibirien und seinen Menschen werden in Erinnerung bleiben.

pfeil-li