Reisetagebuch E.H.

Wanderung am Baikal

Kompakt

Nach der Rundreise durch die Tageran-Steppe wird es nun ernst: 6 Tage wandern wir mit Zelten und Verpflegung an der Südwestküste des Baikalsees zwischen Buguldejka und der touristisch bekannten Sandbucht.
Der Wanderweg liegt meist oberhalb des Ufers. Mitunter fehlt er, dann muss über große Steine am Ufer geklettert werden. Auf den letzten Abschnitten wandern wir direkt über bewaldete Bergrücken zur nächsten Bucht. Das Wetter ist sommerlich warm. Tagsüber strahlt die Sonne, so dass wir uns fast bei jeder Rast in die kalten Fluten stürzen.
Menschen treffen wir erst an den letzten Tagen. Sie sind durchweg sehr freundlich zu uns und versorgen uns z. B. mit Fisch.

5. und 6. Tag: Buguldejka - Kap Lochmatka (+250 Höhenmeter)

Buguldejka war in Sowjetzeiten ein großer Hafen, von wo das Holz über den Baikal geflößt wurde. Davon ist heute kaum noch etwas zu sehen.
Wir packen am Strand unserere Rucksäcke, übernehmen Zelte und Verpflegung von Pascha, der souverän den Trekk vorbereitet. Dann beginnt die Wanderung.
Nach zwei Kilometern durchqueren wir ein Kinderferienlager, danach begegnen wir keinen Menschen mehr. Am späten Nachmittag bauen wir unsere Zelte auf einer üppigen Blumenwiese zwischen Wasser und Wald auf.
Am Abend wird es recht kühl. Dennoch waschen wir uns im See. Später serviert uns Pascha am Lagerfeuer Gemüsesuppe mit viel Fleisch. Es wird ein gemütlicher Abend.

Am nächsten Morgen ist der Luftdruck noch weiter gestiegen.. Folglich bleibt das schöne Wetter. Wir wandern heute immer nahe des Ufers durch den Nadelwald oder über Blumenwiesen. 1 – 2 km vor Kap Lochmatka erreichen wir eine schöne Sandbucht. Hier schlagen wir unsere Zelte auf. Etwas Angst bleibt, denn die Küste hinter uns bricht ständig ab. Doch bei diesem trockenen Wetter wird sich wohl kein Stein lösen.

7. und 8. Tag: Kap Lochmatka - Pesotschnaja-Bucht - Chargino-Bucht (+535 Höhenmeter)

Um 10:15 ist der Tross abmarschbereit. Bis zum Mittag geht es am Ufer über große Steine oder Kiesfelder, was noch beschwerlicher ist. Bei der Hitze baden wir schon zweimal bevor mittags das Kap Dyrowatyi erreichen. Ganz in der Nähe sm Steilufer besichtige ich eine kleine Höhle.
Von hier ab existiert kein Pfad mehr in Ufernähe. Wir steigen hinter dem Forsthaus, das sich am Kap befindet, 90m im Wald steil hinauf. Bis zum Tagesziel schlängelt sich der Pfad hier in der Höhe entlang. Nur an zwei Buchten geht es bis auf 20m wieder hinunter. In der vorletzten Bucht treffen wir Russen, die hier im Sommer offensichtlich längere Zeit in Zelten wohnen, Fische fangen und trocknen sowie Pilze konservieren.
Am späten Nachmittag ist die Pesotschnaja-Bucht, unser heutiges Tagesziel, erreicht. Auf dem Wasser in der wunderschönen Bucht schwimmen zunächst grüne Teilchen, doch urplötzlich ist das Wasser wieder klar. Ein eigenartiges Phänomen. Pascha hat zusätzlichen Stress: Unser zweiter Guide ist bei den Fischern geblieben und er muss den Proviant-Rucksack von dort holen…
In der Nacht hat es etwas geregnet, doch in der Morgensonne trocknen die Zelte schnell ab. Wir bleiben noch bis nach dem Mittag in der schönen Bucht. Pascha überrascht uns beim Frühstück mit Pfannkuchen, die er auf einem „Holzofen“ in der Pfanne brät. (Siehe Bild). Am Vormittag ordne ich den Rucksack, dann bleibt noch Zeit für Entspannung am Wasser. Nach dem Mittagessen ist noch einmal baden angesagt. Um 15:00 Uhr sind dann aber alle Zelte abgebaut, es geht weiter. Wir wandern über einen Berg und sind schon eine Stunde später an unserem Tagesziel angekommen. Es ist die romantische Chargino-Bucht.

9. Tag: Chargino-Bucht - Sennaja-Bucht (+500 Höhenmeter)

Die Chargino-Bucht ist größer als die bisherigen Buchten am Wege. Hier mündet ein kleiner Fluss in den See. Im vorderen Teil der Bucht auf einer großen Wiese stehen unsere Zelte neben einer soliden Holzhütte. In ihr ist eine Banja, die russische Sauna, eingerichtet. Gestern Abend haben wir dort mächtig geschwitzt und uns von Pascha mit Birkenreisig peitschen lassen. Das Eintauchen in das Baikalwasser war dann eine herrliche Entspannung.
Weiter hinten am Wald steht ein Forsthaus. Vom Ehemann der Försterin erfahre ich, dass sich in der Chargino-Bucht bis Anfang der 50er Jahre ein Straflager befand. In der Nähe wurde Quarzsand für die optische Industrie unter schwierigen Bedingungen abgebaut. Nur einige gesammelten Handwerkzeuge erinnern an diese Zeit.
Heute Morgen haben Fischer Netze mit frischen Omul, dem Edelfisch des Baikals, gelandet. Am Vormittag bereitet uns die Försterin den Fisch auf einem Räucherofen zu. Zusammen mit Gemüse aus ihrem Garten und als Zugabe noch Robbenspeck wird uns ein fantastisches Menü serviert.
Nach dem Mittagessen verabschieden wir uns von den lieben Menschen um die Försterin, die uns noch Fisch, Kräuter und Gurken mit auf den Weg gibt. Unsere Rucksäcke werden im Boot der Fischer zu unserem Tagesziel gebracht. Wir wandern auf dem Ziegenpfad. Im Wald geht es steil hinauf. Der höchste Punkt liegt bei 780m, d. h. 330m über dem See. Hier oben gibt es massig Pilze, von denen wir dank meines Nylon-Beutels genügend mitnehmen können.
Am späten Nachmittag erreichen wir dann die ebenfalls wunderschöne Sennaja-Bucht. Auch hier steht eine Banja am Wasser. Das Abendessen wird heute aus frischer Ware serviert: Roher Fisch, Pilze, Kartoffeln und Kräuter. Danach geht es wieder wie am Vortage in die Banja. Sie ist sehr geräumig und intensiv heiß. Pascha gibt sich wieder alle Mühe uns zum Schwitzen zu bringen. Ich springe 5-mal in den Baikal.

10. Tag: Sennaja-Bucht - Peschanaja-Bucht (Sandbucht) (+240 Höhenmeter)
 - Listwjanka

Heute ist unser letzter Wandertag am Baikal-Ufer. Nach einem gemütlichen Frühstück werden wieder die Rucksäcke im Boot zur Sandbucht gebracht. Wir wandern zunächst am See entlang, dann führt der Weg durch den Wald zu einem markanten Felsen. Von dort steigen wir in eine Bucht hinunter, die dicht mit Zelten voll gestellt ist. Wir sind wieder in der Zivilisation angekommen. Es folgt noch einmal ein kleiner Bergrücken, dann liegt die Peschanaja- bzw. Sandbucht vor uns. Es herrscht riesiger Trubel in der Bucht mit den vielen Ferienhäusern. Direkt vor der Mole sitzt Frank, der den Rucksacktransport begleitete, beschützend vor unseren Rucksäcken. Am Nachmittag schauen wir uns noch etwas um, wandern zu einem Aussichtsfelsen und genießen den Abschluss unserer Wanderung in einer kleinen Bar.
Um 17:00 Uhr startet unser Linienschiff, ein Tragflächenboot sowjetischer Bauart mit ca. 130 Passagieren. Vom Hinterdeck kann man bei der schnellen Fahrt (ca. 60 km/h) die schöne Küste beschauen. Nach 2,5 Stunden erreichen wir Listwjanka. Noch einmal eine halbe Stund Fußweg, dann haben wir unser solides Quartier im Touristenort am Angara-Abfluss erreicht...

pfeil-li   pfeil-re