Reisetagebuch E.H.

Südinsel - Nord

Kompakt

Die Hochsee-Fähre bringt uns von Wellington auf der Nordinsel über die „Cook Strait” nach Picton auf die Südinsel. Mit einem baugleichen Bus setzen wir unsere Reise fort. Erstes Ziel ist der Abel-Tasman-Park im äußesten Nordwesten der Insel. Drei Tage verbringen wir dort, fahren mit Kajaks über die teilweise unruhige See und übernachten, bei allerdings bescheidenem Wetter, in einer Bucht des Nationalparks.
Das nächste Ziel ist Punakaiki an der Westküste mit den imposanten Pancake-Felsen. Auf der Küstenstraße setzen wir dann unsere Fahrt fort in Richtung Süden. Wir rasten in Hokitika und fahren weiter zwischen Tasmannsee und den Südalpen bis zum Franz-Josef-Gletscher und dem Fox-Gletscher. Nicht weit entfernt, in unmittelbarer Nähe des „Lake Matheson“-Spiegelsee, schlagen wir wieder unsere Zelte auf.
Nach Besichtigung der Gletscher verlassen wir endgültig die Westseite der Südalpen. Am „Haast Pass“ überqueren wir die Bergkette und fahren hinab in die Region „West Otago“.

Picton

9.Tag, Dienstag, 25.11.2003, Überfahrt nach Picton

Heute verlassen wir die Nordinsel. Vom Backpacker in Wellington fahren wir zum Fährhafen. Der Bus wird hier abgestellt. Er hat uns ca. 1200km auf der Nordinsel befördert. Auf der Südinsel wird die Reise mit einem anderen Fahrzeug fortgesetzt. Die modernen Hochsee-Fähren, die auch Eisenbahn und Trucks mitführen, verbinden die beiden Hafenstädte Wellington und Picton. („Cook Strait Ferry“)
Auf hoher See wird es für manchen Passagier ungemütlich. Doch im „Marlborough Sound“ herrscht wieder Ruhe, und nach drei Stunden ist die kleine Hafenstadt Picton erreicht.
Unser Bus steht zunächst nicht bereit. Wir nutzen die Zeit, um uns das liebenswerte Städtchen und auf einer Wanderung auch einen der nahe gelegenen Berge zu erkunden.
Am späten Nachmittag können wir die Fahrt mit neuem Bus, wiederum ein 11-Sitzer Ford, fortsetzen. Für Uwe wird es wieder anstrengend, denn die Fahrt zur „Tasman Bay“ führt im ständigen auf und ab, vorbei an vielen Buchten und schließlich über einen Gebirgszug. zur recht großen Hafenstadt Nelson. Danach ist die Fahrt unkompliziert, wir erreichen am Abend Motueka. Auf dem Firmen-Gelände unseres Kajak-Vermieters schlagen wir unsere Zelte auf. Unseren beiden Damen ist ihr Zelt, das im Regen am Tongariro eingepackt wurde, noch zu nass. Antje schläft daher im Bus und Rita verkriecht sich mit ihrem Schlafsack in eines der im Garten liegenden Boote…
Ein traumhafter Sonnenuntergang nährt die Hoffnung auf schönes Wetter bei der bevorstehenden Seekajak-Tour.

Abel Tasman Nationalpark
10.Tag, Mittwoch, 26.11.2003, Seekajak - Tour

Auch am Morgen ist noch schönes Wetter, wir sind guter Stimmung. Zunächst fahren wir mit dem Bus nach Marahau, dem Start- und Endpunkt der Seekajaktour. Unser Guide, der die 4 Zweier-Boote im Einerkajak begleitet, erwartet uns schon. Spätestens bei der Übergabe der wasserdichten Säcke, Schwimmwesten, usw. wird uns klar, dass hier vieles anders als beim Süßwasserpaddeln ist.

abel tasman750

Am Marahau Beach ist die See noch ruhig. Doch draußen in der Nähe von Adele Island wird es bewegter. Teilweise sehe ich bei – schätzungsweise – 1m hohen Wellen nur noch die Paddelspitzen der Nachbarboote. Gern hätte ich dies auch fotografisch dokumentiert, doch der Fotoapparat ist mit im wasserdichten Sack. Von einem Nachbarboot dringt die Kunde, dass ein nicht genannt werden sollender Mitfahrer seekrank geworden ist und die Fische füttert.
Ungefähr nach der Hälfte der heutigen 17km-Strecke legen wir in der Anchorage Bay an. Doch am wunderschönen gelben Strand bläst ein kalter Wind und so steigen wir bald wieder in die Boote, um uns warm zu fahren. Aufgrund der Windverhältnisse steuern wir als Übernachtungsziel die Bark Bay an. Mit einer zweiten Gruppe unseres Kajak-Veranstalters bauen wir die Zelte in der schmalen Bucht auf. Unmittelbar danach zieht Regen heran, der bis weit in die Nacht auf unsere Zelte prasselt. Warmes Essen und heißen Tee nehmen wir unter einer Regenfolie ein. Zur Aufwärmung jogge ich mehrfach auf dem oberhalb der Bucht entlang ziehenden Wanderweg. Das dichte Blätterdach dieses Urwaldes hält den Regen gut ab. Die Schönheiten der herrlichen Natur kann ich bei diesem Wetter nur erahnen.

11.Tag, Donnerstag, 27.11.2003, Seekajak-Tour

Am Morgen scheint wider Erwarten die Sonne. Mit den warmen Sonnenstrahlen steigen auch unsere Lebensgeister. Nach gutem Frühstück steigen wir wieder in die Boote und fahren noch ein Stück weiter: Vorbei an der Tonga Island zum Onetahuti Beach. Wir wollen von dort zur Awaroa Lodge wandern. Nachdem wir schon aus unseren Booten heraus und in Wanderkleidung sind, stellen wir fest, dass wir noch eine Flutrinne durchqueren müssen. Unser Guide spielt Wassertaxi und fährt uns zum Festland. Es kommt was kommen muss: Bei der letzten Fahrt sitze ich mit im Boot, Martin steigt aufs Bug und die ganze Fuhre kentert. Alle drei im Salzwasser und dabei auch Martins ungeschützter Fotoapparat. Hoffentlich ist er inzwischen wieder in Ordnung. (der Fotoapparat)
Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Das Cafe war geschlossen, ich bin ziemlich durchfroren wieder in unserer „Bark Bay“ angekommen und  der Regen setzte wieder ein. Nur diesmal regnete es noch viel intensiver, so dass ich in der Nacht fest glaubte, dass wir aus dieser Bucht abgeholt werden müssen.

12.Tag Freitag, 28.11.2003 - Seekajak-Tour

Doch auch am dritten Morgen scheint wieder die Sonne. Wir sind wieder guten Mutes und brechen die Zelte ab. Die Rückfahrt beginnt. Wir fahren zunächst zu einer nahe gelegenen Insel, wo wir zum ersten Mal aus der Nähe Robben auf den Klippen beobachten. Zwei Foto-Freaks eines fremden Kajaks versuchen gleichzeitig die Tiere zu filmen bzw. zu fotografieren und kentern mit ihrer sicherlich teuren Technik.
Unsere Rückfahrt verläuft unkompliziert. Wir fahren diesmal näher am Ufer So haben wir mehr Muße, die herrliche Steilküste und die eingelagerten Sandbuchten zu beobachten. Nach einer letzten Pause in der Watering Cove steuern wir den Heimathafen Marahau an, tragen Boote und Ausrüstung zum Transporter und verabschieden uns von unserem Guide.
Als Belohnung für unsere Strapazen beziehen wir bei sonnigem Wetter neben „Old Macdonalds Farm“, einem weitläufig angelegten Tierpark, den vielleicht schönsten Zeltplatz unserer Reise. Wir waschen und trocknen die klammen Sachen und pflegen die geschundenen Körper. Am Abend lassen wir im nahe gelegenen Strandcafe bei einem Glas Wein die Seekajak-Tour ausklingen.

13.Tag, Sonnabend, 29.11. 2003

Heute verlassen wir endgültig den „Abel Tasmann Nationalpark“. Zuvor schauen wir noch in der „Arts Unique Gallery“ vorbei, die sich unmittelbar neben dem Zeltplatz befindet. Wir sind sehr beeindruckt von den teilweise monumentalen Holzschnitzereien, die die Geschichte der Maoris widerspiegeln.

Westküste
13.Tag, Sonnabend 29.11.2003, Fahrt zur Westküste

Heute fahren wir quer durch den Nordwesten der Südinsel. Von der „Tasman Bay“ geht es hinüber zur „Tasman Sea“. Tagesziel ist Punakaiki. Zunächst ergänzen wir in Motueka unsere Lebensmittelvorräte. Die Fahrt führt dann durch ein lang gezogenes Tal mit intensiver Landwirtschaft. Sanft ist der Übergang zum Tal des „Buller River“, das schon zum nächsten Nationalpark gehört. Nahe der Stadt Murchison wartet eine touristische Attraktion: die „Buller Gorge Swingbridge“. Sie ist die längste Seilbrücke Neuseelands und befindet sich auf geschichtsträchtigen Grund. Erst 1929 wurde nach einem großen Erdbeben der Goldbergbau hier aufgegeben.
In Westport haben wir die Westküste erreicht. Hier an der Buller-Mündung ist das Land noch weit und offen, doch wenige Kilometer südlich geht es hoch hinauf, denn jetzt beherrscht die Steilküste die Landschaft. Am Nachmittag ist unser Tagesziel Punakaiki im „Paparoa“- Nationalpark erreicht. Der Ort ist durch die „Pancake“ (Pfannkuchen)-Felsen berühmt und auch wir unternehmen noch am späten Nachmittag eine Wanderung durch diese einmalige Landschaft. Die Wege sind für die Touristen bestens präpariert. Einen ersten Eindruck bekommen wir auch vom Westküsten-Wetter: Sonnenschein und feiner intensiver Regen wechseln sich immer wieder ab, die Regenmengen hier sind enorm.
Danach beziehen wir den nahe gelegenen Zeltplatz und treffen auf unsere Partnergruppe von Elch Adventure Tours. Ja, heute ist Halbzeit, unsere Freunde kommen vom Süden und insgesamt haben wir alle Stationen der Neuseeland-Reise nun absolviert. Folglich haben wir uns am Abend nach dem gemeinsamen Essen (natürlich Pfannkuchen) viel zu erzählen. Zuvor wandern wir zu einer nahe gelegenen Höhle. Tief im Dunkeln können wir hier kostenlos – im Gegensatz zu den großen Höhlen weiter im Süden – die Glühwürmchen beobachten, die wie Sterne an der Höhlendecke hängen.

14.Tag, Sonntag 30.11.2003, Punakaiki – Hokitika – Fox-Gletscher

Weiter geht es Richtung Süden entlang der Steilküste. Immer wieder eröffnen sich neue Sichten auf Küste und Meer, von oben können wir die Robben am Strand erkennen. Dann öffnet sich die Landschaft und bald erreichen wir Hokitika, ein Zentrum der neuseeländischen Jade-Verarbeitung. Der Jade-Schmuckstein heißt eigentlich „Greenstone“ und darf nicht mit der Jade des chinesischen Kulturkreises verwechselt werden. Auch heute am Sonntag haben die Schmuckgeschäfte geöffnet, wir haben eine längere Mittagsrast eingelegt und kaufen einige Souvenirs ein.
Am Nachmittag erreichen wir den Westteil der Southern Alps. Zur Linken liegen die großen Dreitausender, zu denen wir später noch einmal von der Ostseite heran wollen. Erstes Ziel ist der Franz-Josef-Gletscher. Wir wandern ewig durch die Schutthalden, die der Gletscher, der einst bis zum Meer reichte, zurückgelassen hat. Aus unserer Perspektive ist nicht allzu viel von dem Eiskoloss zu erkennen. Viele Touristen lassen sich deshalb auch auf den Gletscher hinauf fliegen, um dann organisiert durch das Eis nach unten zu wandern.
Wir verlassen  das Gletschertal und fahren über einen Gebirgszug zum Fox-Gletscher, dem zweiten großen Gletscher der Westseite. Heute fahren wir aber nur in den gleichnamigen Ort. Vor der Anfahrt zum Campingplatz fahren wir jedoch erst zum nahe gelegenen Spiegelsee „Lake Matheson“, um eventuell bereits heute die Fotos zu schießen, die uns überall als Ansichtskarten verkauft werden. Doch eine leichte Brise zerreißt den Spiegel. Nun geht es also endgültig zum gepflegten Zeltplatz. Den Abend verbringen wir bei Kartenspiel im gut eingerichteten Klubraum.

15.Tag, Montag 01.12.2003, Fox-Gletscher - Wanaka

Noch vor dem Frühstück fahren wir nochmals zum „Lake Matheson“ und laufen mit einigen anderen Foto-Touristen um den See. Auch heute ist kein Super-Ansichtskartenwetter, dennoch spiegelt sich wunderbar die Bergkette im See.
Nach dem Frühstück brechen wir wieder auf. Um uns herum kreisen schon die Helis, die die Touristen auf die Gletscher bringen. Der Fox-Gletscher ähnelt dem Franz-Josef-Gletscher. Wir erkennen, wie weit sich der Gletscher in den letzten 200 Jahren zurückgezogen hat und wie dieser Prozess anhält.
Mittags verlassen wir diese Hochgebirgswelt. Wir fahren zunächst weiter durch schöne Wälder, kommen dann hinunter in das Flachland, das zur Viehwirtschaft genutzt wird. Mehrfach überqueren wir breite Flusstäler, die sicherlich nur nach der Schneeschmelze viel Wasser führen. Auch Robben-Kolonien befinden sich hier in der Nähe. Wir biegen jedoch in Haast Village ab. Die Hauptstraße Nr. 6 führt nun am Rande des Mount Aspiring Nationalparks den „Haast River“ hinauf. Auch hier wieder traumhafte Landschaftsbilder. Am „Haast Pass“ überqueren wir die Bergkette und fahren hinab in die Region „West Otago“.

pfeil-li   pfeil-re