Reisetagebuch E.H.

Südinsel - Süd

Kompakt

Nach der Übernachtung in Wanaka fahren wir zunächst in das ehemalige Goldgräberstädtchen Arrowtown. Anschließend geht es dann weiter nach Queenstown, dem neuseeländischen Zentrum für Sport und Fun. Am Nachmittag folgt schließlich die Fahrt in das Fjordland. Te Anau ist unser Ziel, ein Ausgangspunkt für viele Wanderungen im Fjordland.
Am nächsten Morgen starten wir zur 3-tägigen Wanderung auf dem Kepler-Track. Es wird der Höhepunkt unserer Wanderaktivitäten werden. Auch hier bekommen wir wieder allerhand Regen ab. Der letzte Trip im Fjordland führt uns schließlich zum Milford-Sound, einem riesigen Fjord, der noch vor einigen Jahrzehnten nur vom Meer erreichbar war. Imposant sind für uns die Wasserfälle, die nach dem letzten Starkregen von allen seiten in den Fjord stürzen.
Am Nachmittag verlassen wir die Westküste endgültig und steuern das Städtchen Gore, unser südlichstes Tagesziel an.

West Otego
15.Tag, Montag 01.12.2003, Fox-Gletscher - Wanaka

Vom Haas-Pass, im Mount Aspiring Nationalpark, fahren wir auf der Fernstraße Nr.6 durch ein lang gezogenes Hochtal. Bald haben wir die Graslandschaft am „Lake Wanaka“ erreicht. Soweit das Auge reicht, stehen auf den Weiden die Schafe. Die intensive Sonne lässt den „Lake Wanaka“ und später auch den „Lake Hawea“ in einem für uns ungewöhnlichen Blau erscheinen. Am Nachmittag ist Wanaka erreicht. Am Stadtrand haben die Stadtväter eine interessante Gallerie der Illusionen, die „Puzzling World“, errichtet, die sicherlich dem Tourismus weiterhelfen soll. Auch wir lassen uns verführen, wobei wir auf das angeblich weltweit erste 3D-Labyrinth verzichten.
Die Stadt liegt idyllisch am „Lake Wanaka“, der Zeltplatz schneidet jedoch nur mittelmäßig ab. Am Abend gehen wir wieder einmal in einem soliden Restaurant essen.{

16.Tag, Dienstag 02.12.2003, Queenstown

Am Morgen verlassen wir Wanaka. Von 280m geht es auf einer Nebenstraße über einen Pass (1076m) und wieder steil hinab nach Arrowtown (360m). Für Radfahrer, die wir mitunter sehen, ist dies schon recht anstrengend. Arrowtown ist ein liebliches altes Goldgräberstädtchen und pflegt heute dieses Image mit einem sehenswerten Heimatmuseum und vielen technischen Denkmalen in der Umgebung. Insbesondere japanische Touristen werden von dem Ort angezogen.
Später fahren wir in das Tal des „Kawarau River“. Zunächst steht noch der Besuch auf einem der neuen Weingüter an, die den neuseeländischen Wein auch international bekannt machen. Unmittelbar in der Nähe stehen wir dann auf der berühmten Kawarau Bridge, wo seit 1988, und damit am längsten in der Welt, das Bungy-Springen kommerziell vermarktet wird. (Werbeslogan: „Queenstown's only Bungy with a water touch option“) Auch wir schauen den Kandidaten zu, die dem Fluss entgegenspringen.
Weiter geht die Fahrt in das nahe liegende Queenstown, Neuseelands Zentrum für Sport und Fun. Die Stadt liegt am Ufer des riesigen „Lake Wakatipu“ und alle verrückten Formen des Wassersports werden hier angeboten. Wir genießen die Mittagszeit jedoch bei einer Tasse Capuccino oder einem Glas Bier am sonnigen Seeufer, wo zu dieser Zeit gerade ein Triathlon im Wasser gestartet wird.
Am frühen Nachmittag brechen wir auf. Die Fahrt führt am Seeufer entlang nach Süden. Wir verlassen nun die Region Otago. Weiter geht es durch endlose Weidelandschaften, Sehr oft sehen wir neben Rindern und Schafen auch Hirsche auf der Weide. Am späten Nachmittag erreichen wir Te Anau, die wichtigste Touristenstadt des Fjordlandes. Der wunderschöne Zeltplatz liegt am Rande des Städtchens, aus meinem Zelt schaue ich direkt auf den riesigen „Lake Te Anau“.

Fjordland
17.Tag, Mittwoch 03.12.2003, Wanderung auf dem „Kepler Track“

Heute starten wir unsere dreitägige Wanderung auf dem Kepler Track, doch wir haben ein Problem: Für den heutigen Tag bekommen wir auf keiner der beiden Hütten die acht notwendigen Übernachtungsplätze. Wir diskutieren mögliche Varianten und entscheiden uns wie folgt. Die Hauptgruppe wandert auf der Normalroute heute zur Luxmoore Hut. Der harte Kern (Antje, Sascha und Martin) dagegen, wandern im Uhrzeigersinn auf dem Track und werden heute im eigenen Zelt neben der „Iris Burn Hut“ schlafen. Uwe fährt die drei noch zum Ausgangspunkt des Nationalparks.
Unser Weg führt zunächst an einem interessanten Vogel-Zoo vorbei und zieht sich dann ewig durch Busch und Wald in der Nähe des Seeufers. Am Wasser selbst wird man von den Sandfliegen überfallen. An der Brod Bay (202m) beginnt dann der Aufstieg durch dichten Rotbuchen-Urwald. In Serpentinen windet sich der Weg. Er führt dann an Sandsteinfelsen vorbei und ab ca. 900m haben wir die Hochebene erreicht, die nur noch von Gräsern bewachsen ist. Von hier schauen wir auf den See und die umliegende Berge, die teilweise noch mit Schnee bedeckt sind, ein herrliches Bild.
Nach der Mittagsrast wandern wir dann weiter zur „Luxmoore Hut“ (1085m). Bei unserer Ankunft werden gerade mit dem Hubschrauber neue Matratzen eingeflogen, die wir mit den anderen Gästen im Schlaflager verteilen. Die Hüttenwirtin, besser Rancherin, ist ein aufgewecktes Persönchen. Sie erläutert den Gästen die sensible Natur des Fjordlandes.
Die  Mittagsruhe verbringen wir bei Windstille und Sonnenschein im Gras hinter der Hütte.
Bald trifft auch Uwe ein.  Gemeinsam wandern wir dann noch zum „Luxmoore“-Gipfel (1472m), obwohl dieser nahe der morgigen Strecke liegt. Wir trauen dem Wetter nicht und so stehen wir am Abend auf dem Gipfel und schauen auf das Panorama der herrlichen Fjord-Landschaft. Insgesamt haben wir nun 1390 Höhenmeter in den Beinen.
Spät nehmen wir dann auf der Hütte unser Essen ein (waren es Spaghetti?), doch auch um 21:30 ist es noch einigermaßen hell. Die Nacht im Schlaflager mit ca. 30 Personen (total 55) ist weniger angenehm.

18.Tag, Donnerstag 04.12. 2003, Wanderung auf dem „Kepler Track“

Früh gegen 6:00 stehe ich auf und beobachte den Sonnenaufgang. Später nach dem Frühstück besichtigen wir zunächst die nahe gelegenen Luxmoore Caves, Tropfsteinhöhlen, die sich weit und immer enger in den Berg hineinziehen. Danach geht es auf den Track. In der Höhe auf dem Kammweg bläst sehr starker Wind, doch zum Glück regnet es nicht.
Nach 2/3 der Tagesstrecke haben  wir die „Hanging Valley Shelter“, eine Schutzhütte erreicht und gönnen uns eine Mittagspause. Da kommen uns unsere drei Wanderer entgegen, die in der Gegenrichtung mühsam den steilen Aufstieg gemeistert haben. Bald verabschieden wir uns. Morgen Nachmittag werden wir uns wieder sehen.
Wir wandern noch eine Weile auf dem Kamm, dann geht es schroff in Serpentinen abwärts. Bald haben wir die Iris Burn Hut erreicht. Im Gegensatz zum Vortag bekommen wir ein gutes Quartier im Dachboden der Hütte. Noch vor dem Abendessen wandern wir noch zum nahe gelegenen Wasserfall, wo der Iris Burn über ein Gesteinstufe herunterstürzt.

19.Tag, Freitag 05.12. 2003, Wanderung auf dem „Kepler Track“

Schon am Abend begann es zu regnen und auch am Morgen trommelt der Regen gleichmäßig auf das Blechdach der Hütte. Wir haben eine 8-stündige Wanderung vor uns und machen uns mit Regenschutz – soweit vorhanden – auf den Weg. Uwe zieht bereits allein vor uns seine Bahn, er will den Bus am Ausgang des Parks erreichen, um uns dann abzuholen. Der Wander-Pfad führt über viele Kilometer gleichmäßig durch den Urwald am Iris Burn River und später am „Lake Manapouri“. Die Landschaft ist auch im Regen, oder vielleicht gerade wegen des Regens, besonders beeindruckend, einige Bilder sollen dies zeigen.
Im Laufe des Tages wird es trockener und als wir schließlich an der „Moturau Hut“ ankommen, fühlen wir uns so warm, dass wir im kalten Wasser des „Lake Manapouri“ ein kurzes Bad nehmen. Wie zur Strafe fängt es danach wieder stark zu regnen an, so dass wir schließlich ziemlich durchnässt am Ausgang des Nationalparks ankommen. Bald kommt jedoch Uwe mit dem Bus und holt uns ab.
Unsere Freunde haben inzwischen schon alle Zelte aufgebaut, wir brauchen nur noch die nassen Rucksäcke einstellen.
Trotzdem sind wir nach dieser Wanderung gut drauf und so sitzen wir am Abend in einer urigen Kneipe in Te Anau, essen deftig und bei Bier und Wein hören wir schließlich noch einer Band zu. Ganz nebenbei wird auch unsere Kleidung wieder trocken…

20.Tag, Sonnabend 06.12.2003, „Milford Sound“

Wie so oft auf dieser Reise, so ist auch an diesem Morgen nach dem Regen der Nacht wieder schönes Sonnenwetter. Wir können noch unsere Zelte abtrocknen lassen und machen uns dann auf die Fahrt hinüber zum „Milford Sound“. Zunächst geht es an der Uferstraße des Lake Te Anau gen Norden, dann kommen wir in eine wunderschöne Waldlandschaft. Vorbei geht es am westlichen Startpunkt des Routeburn Track, und durch ein malerisches Flusstal hinauf zum Straßentunnel, der den „Milford Sound“ auf dem Landwege erschließt. Auf der Westseite geht es steil in Serpentinen hinunter und bald stehen wir am oberen Ende des berühmtesten Fjordes Neuseelandes. Wir haben heute absolutes Glück mit dem Wetter: Nicht nur der Sonnenschein des Tages sondern auch die 300mm (!) Regen der letzten 24 Stunden machen die zweistündige Schifffahrt auf dem Fjord zum Erlebnis. Fast in jeder Bucht stürzen die Wasserfälle teilweise über mehr als 100 Meter von den senkrechten Felswänden herab. Der Kapitän gibt sich alle Mühe uns dies möglichst nahe zu zeigen - ein einmaliges Erlebnis. Wir fahren bis an den Ausgang zur offenen See, dann geht es zurück.
Nach der Fahrt genießen wir noch ein wenig die Wärme und Sonne an diesem Ort, der an den meisten Tage des Jahres sich wesentlich feuchter zeigt. (Jahresniederschlag 7,5m - 12mal soviel wie in Deutschland!)
Dann geht es wieder auf dieser imposanten Strecke zurück nach Te Anau. Zunächst bunkern wir die Lebensmittel für das Wochenende, dann schauen wir noch in die liebevolle Ausstellung des Fjordland-Informationszentrums. Ich informiere mich am See auf einer Tafel, wie das Wasser des Lake Te Anau zur Energiegewinnung ausgenutzt wird. (Siehe Foto)
Am Nachmittag verlassen wir endgültig das Fjordland. Wir fahren Richtung Südosten durch die karge Weidelandschaft. Erst jetzt fällt mir auf, wie dünn das Land besiedelt ist. Am Samstag Nachmittag zähle ich in 15 Minuten 6 Fahrzeuge, die uns begegnen.
Endlich ist das Tagesziel Gore, einer größeren Stadt, der Südregion, erreicht. Wir richten uns auf dem Zeltplatz ein und nach dem Abendessen feiern wir mit einem Glas (Tasse) Wein und Schokolade den heutigen Nikolaus-Tag, wobei wir uns leichten Unmut der Fernsehen guckenden Nachbarn zuziehen.

pfeil-li   pfeil-re