Reisetagebuch E.H.

Rundreise

Kompakt

 

Von unserem Flug aus Berlin via Paris nach St-Denis können wir uns ein Tag erholen und uns in der turbulenten Hauptstadt umschauen.
Dann starten wir mit dem Bus zu einer einwöchigen Rundreise. Schwerpunkt ist die Vulkanregion im Südosten. Noch vor einer Woche floss die Lava des letzten Ausbruches über die Ringstraße ins Meer. Wir wandern an dieser Stelle über den noch heißen provisorischen Weg. Dann sind wir zwei Tage am Vulkan oberhalb 2000m Höhe. Hier steigen wir durch die riesige Caldera, wo Anfang des 20. Jahrhunderts die letzten Eruptionen stattfanden. Der aktive Bereich des Vulkans ist natürlich gut abgeschirmt.
Danach fahren wir zum Hochplateau oberhalb des „Grand Bassin”. Wir steigen erstmalig mit vollem Gepäck in den 640m tiefer liegenden Grund des Tales. Bei den freundlichen Gastgebern, die auch nur Pedes (oder Helikopter) mit der Außenwelt Kontakt halten, werden wir freundlich bewirtet.
Am nächsten Morgen steigen wir wieder hinauf. Mit dem Bus sind wir am Mittag wieder in St-Denis. Hier können wir noch ein wenig entspannen. Morgen beginnt die Hauptwanderung.

1. Tag: Anreise

Von Berlin-Tegel fliegen wir nach Paris. Von dort geht es dann im Nachtflug  mit der Air Austral (AA) nach St- Denis, der Hauptstadt des französischen Überseedepartements im Indischen Ozean. Die Betreuung an Bord ist vorbildlich.

2. Tag: Ankunft in St-Denis

Gegen 8:30 Ortszeit. (2 Stunden vor der MESZ) erreichen wir St-Denis.
Für mich folgt ein Schock: Mein Rucksack ist auf der Strecke geblieben. Doch der erste Tag ist nur für Akklimatasierung und Kennenlernen der Hauptsadt vorgesehen. Mit dem Not-Set der Fluggesellschaft komme ich gut über den Tag und die folgende Nacht.
Wir fahren zunächst zu unserem Hotel im Stadtzentrum. Das feuchtwarme Klima und der Nachtflug belasten uns noch. Doch am Nachmittag schauen wir uns dann in St-Denis um. Es geht eng zu auf den Märkten und Straßen der Altstadt mit den vielen Menschen aller Hautfarben. In der Bausubstanz ist nur wenig aus den Gründerzeiten und dem 19.Jahrhundert übrig geblieben.
Am Abend essen wir in einer Gaststätte der Innenstadt und sprechen schließlich im Garten des Hotels die Pläne der nächsten Tage durch.

3. Tag: Aufbruch in den Südosten nach Basse Vallée

Am Morgen fahre ich mit Uli wieder hinaus zum Flughafen. Er holt unseren Bus ab mit dem wir in den nächsten Tagen die Insel erkunden wollen. Ich nehme am Gepäckband freudig meinen Rucksack auf. Er ist mit der heutigen Maschine gekommen und so steht dem normalen Reiseablauf nichts mehr im Wege.
Am Mittag fahren wir endlich los. Die kürzere Verbindung in den Südosten ist jedoch durch die Vulkanausbrüche der letzten zwei Wochen unterbrochen. Folglich fahren wir gen Westen und lernen so schon die größeren Küsten- und und Badeorte der West und Südlüste kennnen.
Am Nachmittag rasten wir erstmalig am schwarzen Sandstrand des Indischen Ozeans am „Puits des Anglais” in der Nähe von St-Philipp.

Dann fahren wir hinauf zu unserer ersten Hütte, der „Gîte Basse Vallée”. Es ist sehr feucht hier oben im Regenwald. Am Abend lernen wir erstmalig das typische Hüttenmenü kennen (Reis, Bohnen, Fleisch-Carri, Bananenkuchen und natürlich den Rumtopf-Mix)
Beendet wird der Tag am rauchigen Kaminfeuer beim Kartenspiel und Wein.

4. Tag: Auf heißer Lava und Anfahrt zum Vulkan

Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus wieder hinunter zur Ringstraße. Die Fahrt führt durch große Zuckerrohrfelder aus denen häufig das Zzuckerrohr mit moderner Technik abgefahren wird.
Dann folgt die Fahrt gen Osten durch St-Philippe und weitere schöne blütenreiche Orte. Dann ist die Fahrt zu Ende. Wir stehen vor dem gewaltigen Lavafeld, dass in den letzten zwei Wochen vom Vulkan zum Meer geflossen ist und dabei die Straße, wie schon so oft, zerstört hat.
Wir können mit anderen Touristen aber schon über das 600m breite und teilweise noch sehr heiße Band laufen und die entstandenen bizarren Formen bewundern. Welch grandioses Erlebnis.

Dann verlassen wir diesen Ort und fahren zurück in Richtung zu unserem Tagesziel. Mehrfach führt uns Uli zu interessanten Ausblicken an der Steilküste oder im Wald. Am Strandabschnitt „Grand Anse” zwischen St-Joseph und St-Pierre rasten wir. Die Badehungrigsten unter uns stürzen in die nicht ungefährliche See.

Am Nachmittag geht es dann hinauf zum Vulkan. Wir fahren auf der Hauptstraße über Le Tampon nach Bourg Mourat. Dann weiter durch den Nationalpark hinauf zur „Gîte Volcan”.
Die Hütte besteht aus mehreren Einzelhäusern. Wir finden reichlich Platz und steigen noch am Spätnachmittag hinauf zum Kraterrand am „Pas de Belecombe” und bestaunen den Sonnenuntergang in dieser bizarren Bergwelt.Am Abend findet ein fröhliches Essen mit vielen französischen und sicherlich auch einheimischen Wanderern statt.

5. Tag: Rundwanderung am Vulkan (+750/-750 Höhenmeter)

Zeitig verlassen wir die Hütte. In einer 5-stündigen Wanderung erkunden wir auf einem gekennzeichneten Rundwanderweg die phantastische Bergwelt, die der Vulkan in den letzten Jahrhunderten geschaffen hat. Zunächst geht es hinunter in den großen Kessel mit einem jüngeren Nebenvulkan. Dann hinauf zum 2632m hohen „Cratêry Bory” und schließlich im weiten Rundweg zurück. Der Bereich des gegenwärtig aktiven Kraters ist weiträumig abgesperrt.
Am Nachmittag laufe ich noch eine Zuatzrunde durch ein Gebiet, das bereits von der Vegetation eingeholt ist. Auch diese Landschaft ist unbeschreiblich schön.
Am Abend wiederholt sich das Zeremoniell des Essens. Wir verbringen anschließend noch einige Zeit am heißen Kamin, für den wir am Nachmittag Holz gesammelt haben.

6. Tag: Abstieg in den Grand Bassin (+250/-876 Höhenmeter)

Wir verlassen nach dem Frühstück die beeindruckend Welt des Vulkans und fahren auf der Nationalparkstraße zurück nach Bourg Murat. Im modernen und sehr lehrreichen Vulkanmuseum erfahren wir viel über die Entstehung der Insel und den Vulkanismus in der Welt.
Unsere Mittagsbrot (oder besser Bagette) nehmen wir auf einem schönen Rastplatz am Rande der kleinen Siedlung Bois Court ein. Dabei schauen wir bereits auf das mind. 600m tief eingeschnittene Tal des „Grand Bassin” mit seiner kleinen Siedlung, die mit der Welt durch einen Lastenaufzug verbunden ist.
Wir steigen - erstmalig mit vollem Gepäck - am Nachmittag auf einem steilen Weg in den Kessel hinab. (Ein Wanderstock geht beim Ausrutschen zu Bruch) Unten empfängt uns ein idyllisches Dorf mit Bananen- und großen Blütenstauden.  Unserer Herberge erweist sich als die schönste und freundlichste Unterkunft der gesamten Reise.
Am Nachmittag brechen wir noch einmal auf. Wir steigen hinunter in das immer enger werdende Tal und klettern an den Wasserfall heran, den wir bereits am Mittag vom Rastplatz sahen.
Höhepunkt des Tages ist ein Bad unmittelbar unter dem Wasserfall. Auch in der anderen Richtung erkunden wir den Wasserlauf und treffen auf bizarr geformte Durchbrüche mit einladenden Badelöchern.
Kultureller Höhepunkt des Tages ist der lustige Abend in der Hütte, den wir gemeinsam mit einer französischen Gruppe feiern.

7. Tag: Aufstieg aus dem Grand Bassin (+665/-31 Höhenmeter), Rückfahrt nach St-Denis

Am Vormittag verlassen wir den gastfreundlichen Ort Grand Bassin. Nils, unser Berliner Zugpferd, wählt den langen Weg über den nordwestlichen Talausgang, wir sammeln ihn später an der Hauptstraße wieder ein.
Wir aber steigen mit unserem schweren Gepäck den direkten Weg zum Ausgangspunkt hinauf. Uli ist sicherlich erleichert, dass alle Gruppenmitglieder den ersten Härtetest bestanden haben.
Wir fahren dann auf der Hauptstraße in nordwestlichen Richtung über die Insel, sammeln Wanderfreund Nils ein und rasten schließlich in „La Plaine-des-Palmistes”. Am frühen Nachmittag haben wir dann unseren Ausgangspunkt der Rundreise St-Denis, das zu dieser Zeit am Sonntagnachmittag wie ausgestorben scheint, wieder erreicht,
Wir beziehen nochmals unser Hotel, pflegen uns und waschen die wichtigsten Wandersachen.
Am späten Nachmittag folgt noch ein Höhepunkt. Wir fahren mit dem Stadtbus ca. 300m hinauf in die Oberstadt und besuchen ein deutsch-französisches Ehepaar, das seit Jahrzehnten hier auf der Insel wohnt. Es ist rührend, wie sich die Gastgeber einschließlich einer weiteren deutschen Bekannten um uns bemühen. Neben der umfangreichen Bewirtung wird uns viel über das Leben auf der Insel erzählt. Der Hausherr, ein offensichtlich bekannter Architekt, präsentiert uns auf seinem Computer eindrucksvolle Fotos vom letzten Vulkanausbruch. Am Abend fahren uns die Herrschaften schließlich noch mit drei Fahrzeugen hinunter in die Altstadt.

Wir sind nach den Erlebnissen der Rundreise und dem schönen Nachmittag nun auf die große Wanderung, die Morgen beginnen wird, eingestimmt

pfeil-li   pfeil-re