Reisetagebuch E.H.

Renchtalsteig - Tour

24.08 - 28.08.2015

Kompakt

Nach vielen Hüttenwanderungen in den Alpen entschlossen wir uns 2015 zur ersten Mehretappenwanderung im deutschen Mittelgebirge. Wir entschieden uns für den Renchtalsteig auf der Westseite des Nord-Schwarzwaldes. Der Wanderweg umschließt faktisch das gesamte Renchtal in einer Höhe zwischen 200 und 1045 m. Das offizielle Ende des Renchtalsteiges verlängerten wir bis zum Startpunkt der Tour. So wanderten wir auf den 5 Etappen 121 km bei ± 3.400 Höhenmetern, zum größten Teil durch intakte Nadel- und Mischwaldbestände. Übernachtet haben wir in Gasthäusern bzw. Pensionen der Zielorte.
Auf unserer Tour begegneten wir keinem anderen Wanderer, der komplett alle Etappen des Renchtalsteiges zu Fuß bewältigte.

1. Tag:  Bottenau - Oppenau (23 km, +875 / -800 Höhenmeter)

Am Fuße der Weinberge von Bottenau beginnt der Renchtalsteig. Der Weg führt bis zum Schloss Staufenberg durch die liebliche Rebenlandschaft. Bald erreichen wir den Mischwald, durch den wir auch auf den folgenden Etappen hauptsächlich wandern. Beim Aufstieg zum Mooskopf erreicht uns intensiver Regen. Am Mooskopfturm peitscht dazu noch heftiger Wind. Die versprochenen weite Aussicht bis in das Rheintal können wir uns nur erahnen.
Unser Tagesziel, der Ferienort Oppenau, erreichen wir am späten Nachmittag wieder im Sonnenschein.

2. Tag: Oppenau - Bad Petersdorf (23 km, +875 / -765 Höhenmeter)

Beim Verlassen von Oppenau verlieren wir zweimal dieRenchtalsteig-Wegmarkierung. Auch an den Folgetagen stellen wir fest, dass der Renchtalsteig oftmals auf schmalen Pfaden geführt wird, um an besondere touristische Ziele zu führen. Auch der Steilanstieg im Wald quert mehrfach den breiten, bequemen Forstweg. Am Ilfelder Holzplatz (740 m), einer der beiden Hängegleiter-Startplätze des Renchtales, genießen wir den Blick in das Tal. Der Rest der Tageswanderung ist Genusswandern. An der Kreuzung Löcherberwasen wird gerastet. Im folgenden Anstieg schauen wir in das benachbarte Kinzigtal,das eine wesentlich größere Fläche als das des Renchtales, des Nordwest-Schwarzwaldes entwässert. Eine letzter wunderschöner Ausblick, wieder in das Renchtal, bietet sich uns an der Hermesberger Hütte. Nach dem Steilabstieg durch den Wald erreichen wir unser Tagesziel Bad Peterstal-Griesbach. Auch hier sind wir kurz vor dem Ortseingang noch einmal von der Wegmarkierung abgekommen.

3. Tag: Bad Petersdorf - Kniebis (26 km, +1070 / -555 Höhenmeter)

Vor dem Start zur nächsten Etappe schauen wir uns am Vormittag ein wenig in dem beschaulichen kleinen Kurort Bad Peterstal um. Der Wanderweg führt dann zunächst in einer Höhe von ca. 500m in einem Nebental entlang. Es erfolgt dann der Steilanstieg zum Schwarzwaldkamm hinauf. Am Aussichtspunkt Seeblick haben wir den Schwarzwald-Westweg (Pforzheim – Basel) erreicht. Auf diesem wandern wir nördlich Richtung Alexanderschanze. Allerdings verlässt der Renchtalsteig zunächst wieder den Westweg, er soll uns zu einem 200m tiefer liegenden Wasserfall führen. Doch dieser ist jetzt im Spätsommer vertrocknet. Der folgende Aufstieg zur Teufelskanzel entschädigt dann aber wieder. Dann geht es weiter Richtung Alexanderschanze. Am Tageskilometer 17 schleicht sich ein folgenschwerer Fehler ein: An einem Hinweisschild verlassen wir den gut markierten Westweg und wandern scheinbar direkt nach Kniebis, unserem Etappenziel. Erst nach einigen Irrungen sind wir schließlich an der Bundesstraße und kommen dann bei großer Hitze recht erschöpft in unserem Quartier an. Bei guter Bewirtung sind die Mühen des Tages aber bald vergessen.

 4. Tag: Kniebis - Allerheiligen (24 km, +625 / -905 Höhenmeter)

Heute erreichen wir nochmals Abschnitte des Westweges. Zunächst wandern wir auf dem schönen Weg, vorbei an Hochmooren, zur Alexanderschanze. Hier erreichen wir wieder auf den Renchtalsteig. Wir umwandern jetzt in einem großen Bogen den Renchquell-Kessel, trinken aus an der Renchquelle und steigen dabei fast 200 m ab. Vor der Renchtalhütte geht es dann aber wieder hinauf zum neu entstandenen Aussichtsturm Buchkopfturm und weiter zum stark frequentierten Ortsteil Zuflucht neben der Schwarzwaldhochstraße. Wir wandern weiter Richtung Lotharpfad. Hier oben hat der Orkan Lothar 1999 den Wald zerstört. Als Wanderer haben wir dadurch aber auch wunderschöne freie Aussichten auf das Renchtal bis hinüber zum Mooskopf, dem 1. Berg unserer Tour. Den höchsten Punkt unserer Wanderwoche haben wir auf dem Schliffkopf (1.055 m) erreicht. Reichlich 400 m tiefer liegt das 4 km entfernte Tagesziel Allerheiligen (625 m). Im Seminarhaus des EOS Allerheiligen finden wir die komfortabelste Unterkunft der Wanderwoche. Am Abend sind wir neben der Klosterruine Allerheiligen fast allein…

5. Tag: Bad Allerheiligen - Bottenau (26 km, +670 / -1070 Höhenmeter)

Nach dem guten Frühstück in der EOS Allerheiligen wandern wir zunächst den zu den Büttensteiner Wasserfällen hinunter (511 m, hier ist das offiziell Ende der 4. Renchtalsteig-Etappe) und über den Wasserfallweg zur Klosterruine zurück. Der Weg führt von dort noch einmal auf 780 m hinauf. Danach öffnet sich die Landschaft. Wir wandern an kleinen Siedlungen vorbei und haben mitunter den Blick nach Norden zur Hornigrinde, dem höchsten Berg des Nordschwarzwaldes, frei. Besonders schön ist dieser Blick vom Rappenschrofen, einem kleinen Felsen und dem nördlichsten Punkt unserer Renchtalsteig-Runde. Am frühen Nachmittag erreichen wir die Burgruine Schauenburg. Hier ist der offizielle Endpunkt des Renchtalsteiges. Von hier oben hat man eine schöne Aussicht auf das weite Renchtal bei Oberkirch. Im Burgrestaurant stärken wir uns bevor wir durch die Weinberge ins Tal absteigen. Die abschließende 5 km-Wanderung bei großer Sommerhitze über Stadt- und Landstraßen zu unserem Fahrzeug am Startpunkt der Tour in Bottenau bleibt als unangenehmster Abschnitt unserer 121 km-Wanderwoche in Erinnerung.

pfeil li