Reisetagebuch E.H.

Stubaier Höhenweg (2)

27.08 - 02.09.2009

Kompakt

Unsere 10. Alpen-Wanderung führt uns wie im vergangenen Jahr wieder auf den Stubaier Höhenweg. Wir wandern dieses Mal auf den südlichen Etappen zwischen Innsbrucker Hütte und Dresdner Hütte.
Nach dem Aufstiegstag besteigen wir am zweiten Tag von der Innsbrucker Hütte aus den Habicht (3.277 m).

Der 3. Tag ist der einzige Regentag der Wanderwoche. Wir wandern deshalb zur Bremer Hütte nicht auf dem Höhenweg, sondern steigen zunächst ins Gchnitztal ab und von dort zum Tagesziel hinauf. Am 5. Tag laufen wir von der Nürnberger Hütte über die Sulzenau-Hütte zur Dresdner Hütte.
An den beiden letzten Tagen wandern wir auf dem in dieser Saison neu entstandenem Weg von der Jochdohle (3.150 m) zur Hochstubaihütte (3.173 m) und zurück. Bergbahn und Bus bringen uns dann wieder nach Neustift zum Auto zurück.

Das Profil der 7 Etappen ist anspruchsvoll, ca. 6.600 Höhenmeter sind zu bewältigen.
Mit Ausnahme des 3. Tages haben wir auf unserer Jubiläumstour  durchweg bestes Wanderwetter.

1. Tag: Neustift - Innsbrucker Hütte

Gegen 14:00 Uhr starten wir am Elferlift oberhalb von Neustift in 1.800 m Höhe. Nach der Mittagsrast an der Elferhütte geht es dann auf den Panoramaweg (2.100 m) und von dort im Steilabstieg zur Karalm (1.780 m).
Es folgt der 600 m – Aufstieg zur Innsbrucker Hütte, wo wir gegen 19:30 ankommen. Die Hütte ist fast voll besetzt, wir bekommen aber noch ein gut belüftetes Lager.

2. Tag: Gipfeltour Habicht

Der erste Abend auf der Innsbrucker Hütte war in Ordnung, wir führten schon einige Berggespräche. Die meisten Gäste beenden von hier aus ihre Wanderung, aber viele wollen auch, so wie wir, heute auf den Habicht aufsteigen. Um 9:45 brechen wir zum Aufstieg auf. Zwischen 2700 und 2900 m ist der Weg oft mit Seil versichert. In ca. 3100 m muss ein Schneefeld umgangen werden. Unmittelbar unter dem Gipfel ist der Weg dann noch einmal Seil versichert. Wir sind die letzten, die heute den Habicht – Gipfel erreichen. Das Wetter wird zeitweise bedrohlich, dennoch können wir hin und wieder in die 2000 m tiefer liegenden Täler (Stubai, Gschnitz) schauen. Der Abstieg ist teilweise noch unangenehmer als der Aufstieg. Nach 3½ h Aufstieg und 3 h Abstieg sind wir wieder an der Innsbrucker Hütte, wo wir uns ordentlich pflegen und entspannen können.

3. Tag: Innsbrucker Hütte - Bremer Hütte

Schon am Abend begann es zu regnen und auch am Vormittag bleibt es durchweg nass. Wir wollen bei diesem Wetter das Risiko der Höhenweg-Wanderung mit einigen kritischen Abschnitten nicht eingehen, und steigen deshalb mehr als 1.000 m nach Gschnitz-Obertal ab. Inzwischen hat der Regen aufgehört. Wir wandern im idyllischen Tal zur Lapones-Alm, wo wir uns beim guten Essen noch einmal stärken. Dann geht es aus der letzten Ecke des Tales (1.500 m) in endlosen Kehren zum Simmingsee (2.000 m) hinauf. Inzwischen regnet es wieder, so dass wir die Schönheit hier oben nur erahnen können. 45 Minuten unterhalb der Bremer Hütte verpassen wir an einem Abzweig unseren Weg und laufen mind. 45 min. in Richtung Tribulaunhütte, bevor wir unseren Fehler erkennen. Nach diesem Umweg erreichen wir erst gegen 19:00 die übervolle Bremer Hütte. Wir sind ziemlich nass und k.o. Die gute Verpflegung hier oben baut uns aber wieder auf.

4. Tag: Bremer Hütte - Nürnberger Hütte

Die Nacht in unserem Lager war eine Katastrophe (Hitze, schlechte Luft…). Erst gegen 3:00 konnte ich einschlafen. Dafür entschädigt uns der heutige Sonntag mit Traumwetter. Wir nehmen uns nach der unruhigen Nacht Zeit und steigen erst als letzte Gäste hinauf zum Simmingjöchl. Hier oben am alten Zollhaus  bietet sich uns ein Traumpanorama zu den Stubaier Alpen im Westen (Wilder Freiger) und Norden (Ruderhofspitze) aber auch zum Olperer in den Zillertaler Alpen. Es folgt der Seil versicherte Abstieg in das Obere Grübl. Die Wollgraswiesen am Wasser sehen wundervoll aus.
Der kleine See im Unteren Grübl ladet bei dem warmen Spätsommer-Wetter zum Baden ein. Der Abstieg zu unserem Tagesziel ist dann noch einmal kompliziert. Die Nürnberger Hütte ist auch wieder voll besetzt. Wir bekommen 2 Plätze (ziemlich kurz) im Lager. Die Stimmung im Gastraum ist dann aber wieder wie schon an den Vortagen sehr gut.

5. Tag: Nürnberger Hütte - Sulzenau Hütte - Dresdner Hütte

Von den drei Weg-Varianten zur Sulzenauhütte wählen wir den Kürzesten über das Niederl (2.680m). Bei schönstem Wetter genießen wir den Blick zum Wilden Freiger mit Grünausee, aber auch zum Großen Trögler und zur Ruderhofspitze. Auf der Westseite des Niederl müssen wir zunächst ein 100 m Seil versichert absteigen. Dann folgt Genuss-Wandern unterhalb des Wilden Freiger im Schafgrübl.
In der Mittagszeit erreichen wir die Sulzenauhütte, wo bei diesem Wetter viele Tagesgäste verpflegt werden. Auch wir genießen das Essen und die Sonne. Dann folgt der Aufstieg zum Beiljoch. Vom Sulzenauferner, einem der größten Gletscher der Stubaier Alpen, bläst uns ein kalter steiler Wind entgegen. Gegen 14:30 erreichen wir das 2.670 m hohe Beiljoch. Wir sind zunächst von dem Plattengestein beeindruckt, aus dem zig große Steinmännl aufgeschichtet worden. Dann genießen wir letztmals den Blick auf den immer noch großen Sulzenauferner, aus dem allerdings in ca. 2700 m Höhe eine große Felsinsel apert. Vom Beiljoch steigen wir dann schnell hinunter zur Dresdner Hütte, wo ich als alter Bekannter begrüßt werde. Wir bekommen endlich das seit Tagen ersehnte Quartier, können uns ordentlich pflegen und auch der Abend mir weiteren Bergfreunden ist sehr angenehm.

6. Tag: (Dresdner Hütte) Bergbahnstation Eisgrat - Hochstubaihütte

Mit Ankunft an der Dresdner Hütte sind wir nun (2008 und 2009) auf allen Etappen des Stubaier-Höhenweges gewandert. Heute wollen wir als Zugabe zur Hochstubaihütte, der zweiten Hütte der DAV-Sektion Dresden in den Stubaier Alpen, hinüber. Zunächst bringt uns die Stubaier Gletscherbahn bis zur Station Eisgrat (2.900 m) hinauf.  Nach mühsamen Weg über den weichen Gletscher steigen wir zunächst zur Plattform Top of Tyrol (3.210 m) am Großen Isidor und genießen den Blick bis zur Marmolada. Anschließend steigen wir an der Jochdohle in den erst in diesem Sommer fertig gestellten Weg zur Hochstubaihütte ein. Zunächst muss der Windacher Ferner, der zu dem Stubaier Gletscher-Skigebiet gehört, gequert werden, danach beginnt der neue Weg. Zunächst kommt ein Seil versicherter Abstieg, danach ein unkomplizierter Wanderweg, der unterhalb des Seekarsees auf den alten Zustieg zur Hochstubaihütte (Himmelsleiter) trifft. Tiefster Punkt des neuen Weges ist an der neuen Brücke am Warenbach (ca. 2.540 m). Das Höhenprofil kann hier eingesehen werden. Nach dem Aufstieg auf der Himmelsleiter (500 m) liegt dann die Kleine, aber feine Hochstubaihütte vor uns, wo ich wiederum als alter Bekannter begrüßt werde. Am späten Nachmittag steigen wir noch auf den Hohen Nebelkogel (3.211 m), dem Hausberg der Hochstubaihütte hinüber. Den letzten Abend in den Stubaier Alpen verbringen wir in kleiner Runde am warmen Ofen.

7. Tag: Hochstubaihütte - Bergbahnstation Eisgrat

Nach einem guten Frühstück verlassen wir gegen 7:30 die gastfreundliche Hütte. Wir unterbrechen die Wanderung nur zu wenigen kleinen Pausen, so dass wir nach 4 Stunden (Wanderzeit ca. 3½ Stunden) die Gaststätte Jochdohle auf dem Stubaier Gletscher erreichen. Es folgt noch der Abstieg zur Station Eisgrat, dann bringen uns Seilbahn und Bus wieder zurück zum PKW in Neustift. Eine erlebnisreiche Wanderwoche geht zu Ende.

pfeil li