Pragser Dolomiten

05.07. - 10.07.2005

Kompakt

Wie im Vorjahr wollen wir auch in diesem Jahr den Frühsommer für unsere Wanderung nutzen. Als Ziel ist der Großvenediger im Nationalpark Hohe Tauern anvisiert. Doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Unser Wandergebiet ist tief verschneit und deshalb fahren wir weiter nach Südtirol. Vor 5 Jahren haben wir auf dem Dolomiten-Höhenweg Nr.1 unsere erste Wanderung unternommen, in den nächsten Tagen wollen wir ein Teilstück der damaligen Route wieder entdecken.
Die Route startet am Pragser Wildsee, führt dann über Senneshütte, Faneshütte zum Gipfelpunkt auf dem Lagazuoi. Danach verlassen wir den E1. Wir laufen das Travenanzes-Tal hinab. Nach kurzem Auto-Stopp steigen wir zur Plätzwiese auf. Am letzten Wandertag können wir direkt zum Ausgangspunkt am Pragser Wildsee hinüberwandern.

1. Tag: Anreise zum Pragser Wildsee

Nach der Fahrt im Dauerregen bis Matrei sehen die Bergkämme im Neuschnee. Die geplante Tour ist nicht machbar. Wir fahren weiter nach Lienz, wollen weiter ins Sarntal nahe Bozen.
Doch bei der Rast in Toblach entscheiden wir uns spontan in den Dolomiten zu bleiben. Vor 5 Jahren haben wir auf dem Dolomiten-Höhenweg Nr.1 unsere erste Wanderung unternommen, in den nächsten Tagen wollen wir ein Teilstück der damaligen Route wieder entdecken.
Am Spätnachmittag schauen wir uns am Pragser Wildsee um und nehmen dann in St.Veith, dem vorletzten Ort im Pragser Tal, Quartier.

2. Tag: Pragser Wildsee - Seekofel - Senneshütte (+1468 / -822 Höhenmeter)

Wir haben Bilderbuchwetter beim Start am Pragser Wildsee (1490m). Das Auto parken wir, wie vor 5 Jahren am Hotel. Dann steigen wir in den Aufstieg zum Seekofel. Nach 3 Stunden haben wir die ca. 950 Höhenmeter bis zur Ofenmauer-Scharte geschafft und schauen auf die Seekofel-Hütte hinunter. Wir entscheiden uns jedoch noch zum Seekofel aufzusteigen. Nach weiteren zwei Stunden stehen wir auf dem Gipfel (1810m) und genießen als Belohnung ein phantastisches Panorama von Dolomiten und Hauptalpenkamm.
Nach dem Abstieg rasten wir kurz in der Seekofelhütte und wandern dann über das Hochplateau hinüber zur Senneshütte. Hier finden wir ein solides Quartier vor.

3. Tag: Senneshütte  – Faneshütte (+700 / -760 Höhenmeter)

Am Morgen ist es zwar trüb, aber trocken (12°C). Wir wandern zunächst zur Rif. Fodora. Dort regnet es zum ersten Mal. Die Abkürzung von hier zur Fanes-Hütte schauen wir uns an, doch bei diesem nassen Wetter wandern wir, wie vor 5 Jahren, hinunter ins Tal. Nach Mittagsrast im Gasthof Pederü geht es am Nachmittag hinauf zur Faneshütte. Unterwegs setzt intensiver Regen ein, meine Regenbekleidung bewährt sich.
Auf der Faneshütte ist viel Betrieb, mind. 50% der Gäste sind Mountainbiker. Wir schlafen diesmal im 10-Personen-Lager, es geht aber recht ruhig zu. Vor dem Abendessen wandern wir im großen Areal der Fanesalm, denn der Regen hat inzwischen aufgehört.Nach dem Abendessen diskutieren wir die Varianten der letzten beiden Etappen.

4. Tag: Faneshütte - Rif. Lagazuoi (+ 1070 / -410 Höhenmeter)

Als ich am frühen Morgen aus dem Fenster schaue, ist alles weiß. Ich kann mir zunächst nicht vorstellen, den Weg zum Lagazuoi wie geplant zu laufen. Doch bei 3°C und Sonnenschein werden wir auf dem Weg hinauf zum Limosee schnell warm. Auf der Großen Fanes Alpe ist der Schnee schon fast verschwunden, überall fließt Wasser nach den Niederschlägen der letzten Tage. Mit mehreren Wanderern von der Faneshütte steigen wir in den Weg zur Scharte Forcela d. Lech (oder Forcela d. Lago?) auf. Der Abstieg zum Lago Lagazuoi ist trotz Schneematsch recht gut begehbar, er wurde in den vergangenen Jahren in einen sehr guten Zustand gebracht.
Der lange Aufstieg zum Lagazuoi (2200 – 2778m) ist mühsam. Abber gegen 14:30 sind wir oben und beziehen unser 2-Bett-Zimmer.  Schnell wird es hier oben sehr ruhig, bei diesem Wetter kommen nur wenige Gäste hier hoch.
Den Nachmittag teilen wir uns falsch ein: Zunächst duschen (trotz Duschmarke nur eiskaltes Wasser!) und regenerieren wir uns. Doch danach zieht es sich hier oben zu. Wir haben keine Chance, zum Gipfel des kleinen Lagazuoi hinüber zu wandern.

5. Tag: Rif. Lagazuoi – Plätzwiese (+510 / -1450 Höhenmeter)

Der Tag startet wie der Vorabend endete: In den Wolken und 1,5°C. Wir steigen zunächst auf dem Vortags-Weg ab. Beim Einstieg in das Travenanzes-Tal ergeben sich immer wieder wechselnde imposante Bilder. Zunächst der stark zerklüftete obere Bereich (2400m – 2100m) mit vielen Blumen, dann ein weites flaches Kiesbett. Hier haben wir schon kleinere Probleme, den mäandernden Bach zu queren, denn von allen Seiten fließt das Wasser nach den Niederschlägen der letzten Tage. Schließlich folgt ein tief eingeschnittenes Tal, das in den Fanes-Kaskaten (Cascata de Fanes) endet. Bei ca. 1400m erreichen wir den Parkplatz nahe der Ferverkehrstraße Cortina - Toblach.
Mit etwas Glück sind wir eine halbe Stunde später per Autostopp am Passo Cima Banche. Nach einem guten Cappucino und Apfelstrudel steigen wir am Spätnachmittag in den zweiten, jedoch wesentlich kürzeren Wegabschnitt, ein. Im Knappenfusstal geht es von 1530m hinauf zur Plätzwiese (1950m). Gegen 18:00 Uhr erreichen wir die traumhafte Bergwiese, die von der Hohen Gaisl und dem Dürrenstein eingegrenzt wird und auch den Blick zum M.Cristallo freigibt. Wir finden noch Unterkunft im niveauvollen Hotel an der Plätzwiese. Für die Sauna bleibt uns zwar keine Zeit, doch beim Samstagabend-Dinner lassen wir uns verwöhnen…

6. Tag: Plätzwiese - Pragser Wildsee (+450 / -950 Höhenmeter)

Der Sonntagmorgen beginnt auf der Plätzwiese mit Sonnenschein. Wir schauen uns hier oben, wo heute ein Mountanbike-Rennen vorbeiführt, noch einmal um, dann brechen wir zur letzten Tour auf. Wir queren das obere Stolla-Tal, laufen durch ein Wäldchen vorbei an der Stolla-Alm und steigen den Weg hinauf , der südlich an der Schlechtgaisl vorbeiführt. Wir haben jetzt phantastische Blicke: Zum Dürrenstein, zu den Drei Zinnen und nach Norden zum Hauptalpenkamm. Doch leider verschlechtert sich die Sicht immer mehr. Ziemlich unerwartet kommen wir an ein ausgesetztes Wegstück, das aber mit Seilen gut gesichert ist. Noch vor dem einsetzenden Regen erreichen  wir gegen Mittag die Rosshütte. Mit anderen, teilweise durchnässten Wanderern rasten wir unter einem Schauer. Nach dem Mittag, es hat zum Glück aufgehört zu regnen, steigen wir den letzten größeren Anstieg unserer Wanderung an der Roßalm hinauf. Bald liegt der Seekofel wieder vor uns. Auf dem Hauptweg, den wir vor vier Tagen zum Seekofel aufstiegen, wandern wir in der nächsten Stunde zum Pragser Wildsee hinunter. Dieses Mal laufen wir an der schönen Ostseitenweg entlang, der über zwei Höhenaussichtspunkte führt.
Um 18:00 Uhr starten wir zur Rückfahrt. In Österreich und im Allgäu erwartet uns Dauerregen, doch gegen Mitternacht sind wir wieder in Göppingen.

Fazit

Die Streckenführung unserer 6. Alpenwanderung hatte sich spontan entwickelt. Gewissermaßen im Vorbeifahren stiegen wir wieder auf den Dolomiten-Höhenweg Nr.1 ein. Die Rückwanderung vom Lagazuoi zum Pragser Wildsee in zwei Etappen über Travenzes-Tal, Plätzwiese, Roßalm entwickelten wir beim abendlichen Weine. Dieser Abschnitt erwies sich als sehr interessant und außerdem sind wir so erstmalig wieder zu Fuß zu unserem Auto zurückgekommen.

pfeil li